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Kinder & Mode

Kleine Kunden, großer Markt. Blauer Junior, Baby Dior, Young Versace und Roberto Cavalli, der gerade seine Lizenzen vergeben hat: Die Rede ist von Luxuskonzernen, die erfolgreich den Bekleidungsmarkt für Kinder bis 14 Jahre bedienen.

Während hierzulande die Kleinen meist Kinderbücher, Spielzeug oder Plüschtiere zum Geburtstag erhalten, verschenken Russen, Spanier, Franzosen und allen voran Italiener schon mal gern Designerkleidung im Miniformat.

Wenig verwunderlich also, dass die Pitti Bimbo – die weltweit größte Kindermodemesse – im italienischen Florenz stattfindet und sich zum Pflichttermin der Textilbranche mausert.

Wir haben uns Messe und Markt näher angesehen.

Über 530 internationale Labels präsentierten Ende Januar auf der 72. Fachmesse „Pitti Bimbo“ ihre Kinderkollektionen. Der Markt mit Kindermode erholt sich gerade nach den vergleichsweise schwachen letzten beiden Jahren.

Wobei schwach einigen Interpretationsspielraum zulässt – der italienische Textilverband geht nämlich für 2011 von Umsätzen von 2,5 Milliarden Euro und mehr aus. Stark wächst übrigens ausgerechnet das obere Segment. Es gilt vereinfacht die Formel: Geburtenrückgang plus ältere Eltern mit Doppeleinkommen bei gleichzeitig weniger Zeit für Kinderbetreuung führen zu „Luxus für die Lieben“.

Stichproben unter italienischen Konzernen, die mit ihren Kinderlinien preislich hoch angesiedelt sind, ergaben, dass im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa um ein Zehntel mehr Bestellungen aus In- und Ausland eintreffen.

Wie bei den „großen“ Vorbildern werden bei der Modemesse verschiedene Sparten und Stile abgedeckt – auf 47.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gab es Pitti Bimbo, GUESS, Sport Generation, New View, Kids’ Design, Super Street, Eco Ethic sowie Apartment zu sehen.

In Fendi-Gummistiefeln durch Regenpfützen waten oder im Tüllrock von Jean-Paul Gaultier zum Kindergarten marschieren: Davon halten deutsche Eltern bislang nichts. Beim Kauf von Kinderkleidung zählt hierzulande noch der Preis und die Funktionalität. Während der kleine Fachhandel dabei ums Überleben kämpft, entwickelt sich der Markt für Kindermode immer häufiger hin zu großen Modeketten mit günstigem Sortiment.

Doch das hat weniger mit Knausern als mit kultureller Einstellung gegenüber Luxusmode zu tun: Schließlich geben deutsche Eltern laut Statistischem Bundesamt trotzdem bis zur Hälfte ihres monatlichen Haushaltseinkommens für den Nachwuchs aus! Eine Schere zeichnet sich ab: Zwischen denen, die auch bei Kinderkleidung sparen müssen und jenen, die für ihren Nachwuchs nur das Allerbeste wollen.

Die Designer wissen die frühe Kundenbindung zu schätzen. Ralf Ehresmann, Sprecher der Pitti Bimbo, beobachtet: “Einfach alle namhaften Designer oder Labels versuchen, bereits die Kleinsten an die Marke zu binden.“ Wobei über die Eltern die Kleinsten an die Marke zu binden, vermutlich treffender formuliert wäre.

Warum also nur ein Kinderbuch für Mädchen oder einen Teddybären-Pullover für den Jungen kaufen, wenn man sich eine lässig gekleidete Miniaturausgabe von sich selbst leisten kann und will…

Liebevolle Ausstattung oder unnötige Prahlerei: Wie steht ihr zum Thema Luxusmode für Kinder?

Siehe auch unser Artikel: Kindermode – Messen, Marken und Magazine für die Kleinen

Tags: Blauer, Calvin Klein, Dior, FENDI, , Jean Paul Gaultier, , , Versace

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