Trends

Stil im Schlagabtausch


Kunstvoll oder komplett überbewertet? Der YSL-Ring „arty“ ist von zahlreichen Fingern nicht mehr wegzudenken. Simone und Jonas sind sehr unterschiedlicher Meinung zu diesem beliebten Schmuckstück:

LOVE
Simone:
Es war wohl 2009, als ich auf deutschen Modeblogs zum ersten Mal die Ring-Edition „arty“ aufschnappte. Kurz darauf sah ich diesen bezaubernden Ring von Yves Saint Laurent in natura und war hin und weg!

So herrlich auffallend war der Stein, so bezaubernd antik seine Fassung. Das stelle ich mir unter einem Kunst-.. ähm.. Schmuckstück vor, liebe Designer! Auch wenn der Ring mittlerweile massenhaft Verbreitung fand, wirkt er immer noch wie ein einzigartiges Erbstück.

Okay, der Ring bleibt Modeschmuck und somit ist der Preis reichlich überzogen. Aber verdammt noch mal – es ist ein Stück Yves Saint Laurent! Einen Jutebeutel kriege ich auch günstiger als eine Birkin, vergleichbar ist das trotzdem nicht.

Mir ist bislang kein hübscherer Ring dieser Machart untergekommen. Das Einzige was mich an diesem Trend nervt, sind die ständigen „Ausverkauft“-Hinweise in den Online-Shops, wenn mal wieder neue YSL-Ringe eingetrudelt sind.

Ich war im früheren Leben wohl eine Elster: Wenn ich dieses glänzende Etwas im Vintage Look betrachte, muss ich es haben. Hört jetzt auf, genervt mit den Fingern auf den Tisch zu klopfen!

HATE
Jonas:
Zurückhaltend ist anders. Wäre das mein einziger Kritikpunkt am YSL Arty Ring, sollte ich wohl nicht über Modedinge schreiben.

Es stört mich auch tatsächlich nicht, dass sich dieser spezielle Ring mächtig ungewöhnlich präsentiert. Andersartigkeit ist immerhin das Salz in der Einerlei-Suppe.

Doch nur ein Blick auf dieses bizarre Teil und die Assoziationsmaschinerie in meinem Kopf spült mich an fremde, sehr, sehr unangenehme Gestade.

Der Ring erinnert mich an glitschige Meeresbewohner, an Seegurken, Fischaugen, Feuerquallen, aber auch an finstere Alienwesen aus dem TV oder an die uralten Blutorangen, die ich letzte Woche ganz hinten in meinem Vorratsschrank entdeckt habe.

Ja, es tut mir Leid, aber so recht Freunde machen konnte sich der Ring in meiner Hemisphäre bisher nicht. Warum auch? Dieses schmuckgewordene Krankheitsbild einer ausgewachsenen Arthritis hat nichts mit gutem Geschmack zu tun, da hilft der berühmte Name herzlich wenig.

Sollte es doch eine Frau geben, zu der dieser Ring passt, dann stelle ich sie mir als russische Baronesse vor, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Pelz und Genossenmütze gewandet in verruchten Salons das Vermögen ihres Mannes auf den Kopf haut.

Trifft diese Beschreibung nicht bis aufs letzte Detail auf euch zu, rate ich euch, auf der Stelle kehrt zu machen, den Ring aus dem Online-Warenkorb zu löschen und euch was Tragbares auszusuchen. Denn… bizarre Ringe findet man auch auf Flohmärkten.

Deren Kauf bereut man dann auch spätestens auf der Ubahn-Fahrt nach Hause, doch wenigstens hat man lange nicht so viel Geld dafür ausgegeben.

via mytheresa.com

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