Trends

Stil im Schlagabtausch


Neue Streber-Kollektionen. Ist der momentane Trend zu Looks, die absichtlich “etwas angestaubt” wirken, ein Zeichen der Klasse oder des Konservatismus? Simone und Jonas sind sich darüber nicht einig… 

LOVE
Simone:
Bluse mit süßem Bubikragen, darüber ein Pulli oder gar Pullunder aus Kaschmir und ein mindestens knielanger Rock: Fertig ist die neue Spießigkeit, die häufig auch unter dem Begriff „Preppy Look“ läuft. Adrett, da hätte ich mich vor einiger Zeit noch angewidert geschüttelt.

Momentan finde ich aber Gefallen an hochgeschlossenen Tops, an züchtigen Bundfaltenhosen zum Blazer und an eleganten Lackschuhen. In Zeiten, wo sich notdürftig bekleidete Menschen allerorts in den Medien aufdrängen, finde ich diese biedere Kleidung erholsam fürs Auge.

Mutiere ich zur Mode-Oma? Nein! Doch Klasse und Stoffzugabe gehen meist zusammen. Vielleicht entsteht dieser Wunsch nach Beständigkeit und noch mehr Bekleidung erst dann, wenn man tagein, tagaus mit Mode und ihren zig schrägen oder schnelllebigen Trends konfrontiert ist?!

Doch warum sollte ich mir in Hotpants im Winter den A… abfrieren, wenn eine Wollhose bessere Dienste tut? Warum sollte ich überdimensionierte Sneaker mit Klettverschluss tragen, die wahlweise nach Comic oder Clown aussehen? Na also!

Ich denke nicht an verklärte Nostalgie, sondern an Eleganz. Ich habe bei diesem Trend kein angestaubtes Elitedasein vor Augen, sondern sehe die ironische TV-Serie „Clueless“ mit Alicia Silverstone vor mir. Modische Spießigkeit muss (zu) gewollt sein, sonst wäre sie in der Tat peinlich.

Der Vorwurf des unerotischen Gouvernanten-Looks perlt völlig an mir ab, denn mein spießiges Outfit braucht bloß meiner Spiegelkritik standhalten. Und auf die Gefahr der tantenhaften Theatralik hin: Versteckte Reize sind raffinierte Verführung.


HATE
Jonas:
Vielleicht sollten wir doch öfter mal unsere Großmütter besuchen. Denn was uns die Modewelt derzeit anscheinend einreden möchte, ist, dass man am weißgedeckten Kaffeetisch bei Schwarzwälderkirsch und blumigem Porzellan modische Inspirationen der wertvollsten Sorte bekommen kann.

So verstehe ich die neue Spießigkeit: Ich verleugne als Frau alle modischen bzw. gesellschaftlichen Errungenschaften seit den 50er Jahren (ein Jahrzehnt, das wohlgemerkt der Großteil von uns Fashionables nicht mal miterlebt hat) und stauche mich zurück in ein Frauenbild, das von Herd, Heimchen und Limitierung des weiblichen Geschlechts bestimmt ist.

Ich bitte um Erklärung, meine Damen. Ihr seid selbstbewusst, unabhängig, schlagfertig und kleidet euch wie Frauen vom Schlage Desiree Nicks, die nur mit unangenehmer Bissigkeit und sonst gar nichts aufwarten?

Ich spiele jetzt mal ganz kurz Teufels Anwalt und sage: Ebenso Finger weg von der Gegenseite, also von übersexten Looks und Outfits. Hochknöpfen bzw. drüberziehen ist ja überhaupt kein Problem, bloß nicht mit übertriebenem Konservatismus, der – is ja klar – total ironisch gemeint ist.

Folgender Vorschlag an diejenigen, die nach wie vor an der Spießigkeit 2.0 festhalten wollen: Ich lade euch alle in Schluppenbluse und Faltenrock zur Erstkommunion meines Cousins ein. Sollte dann vor lauter Spießigkeit das Raum-Zeit-Kontinuum in sich zusammenfallen, werde ich die sagenhafte Potenz dieses Looks nie wieder in Frage stellen.

+++via Net-A-Porter.com+++

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4 Kommentare

  1. Hallo!
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