Trends

Stil im Schlagabtausch

Flachebene bei Schuhen. Sneakers erleben in ungewohnten Kreisen ein Comeback: Sogar eiserne Verfechterinnnen von Stöckelschuhen schnüren oder schnallen sich seit einiger Zeit die Turnschuhe um. Ein Schuhtrend, der genial oder genial daneben ist? Simone und Jonas kommen auf keinen gemeinsamen Nenner:

LOVE
Simone:
Sneakers-Simone, so hätte man mich in den 90er nennen können. Ich hatte sie in jeder Farbe – und weil die Jeans nicht über den Schuh gingen, wurde die Hosennaht aufgetrennt. Platz da, für die geliebten Sneakers!

Mittlerweile ist mein Schuhschrank abwechslungsreicher, was die Modelle und die Absatzhöhen anbelangt. Der Hang zu alten oder auf alt getrimmten „Retro Style“ Turnschuhen ist trotz vieler hinzugekaufter High Heels geblieben.

Ich finde, dass Frauen in Sneakers ganz schön sexy rüberkommen. Es entsteht nämlich ein seltsamer Mix aus Unbeholfenheit und Coolness, wenn man diese klobigen Turnschuhe trägt. Speziell wenn das restliche Outfit nicht dem Klischee der Skaterszene entspricht.

Sneakers sind unweiblich? Ich lasse mich doch nicht über die fehlende Absatzhöhe kategorisieren. Lieber habe ich Schuhwerk an, dass keine Entschuldigung à la „die sind auch bequem“ braucht, weil man es den Tretern nämlich ansieht.

Warum mich das Revival der großen Sneakers an kleinen Frauenfüßen null wundert? Die wachsende „Dimension“ von Fangemeinde wie Schuhformat war absehbar… Gazelle oder Mexico 66 zum Einstieg, dann High Tops von Rebook. Plötzlich teilte sich mein Freundeskreis in Nike und New Balance.

Isabel Marant hat mit ihren „Willow“ und neuerdings „Betty“-Sneakers den endgültigen Hype unter Bloggern ausgelöst, der bei Marken unzählige Trittbrettfahrer und folglich eine Übersättigung mit sich bringt. Ich geh‘ deshalb mal ne Runde spazieren, bis sich der Trend legt – mit neuen, alten Sneaker, die noch nicht wieder entdeckt wurden.

HATE
Jonas:
Jaja, jetzt darfs auf einmal wieder bequem sein. High Heels, Pumps und Konsorten haben den Füßen (fast) alles abverlangt. Jetzt werden die Armen erstmal in den Urlaub geschickt, indem man kurzerhand die klobigsten Schlachtschiffe der Schuhwelt zu Mode erklärt.

Wie man sieht ist das Verhältnis einer modebewussten Frau zu ihrer Kleidung ein sehr wechselhaftes. Beispiel? Erst sind figurbetonte Röhrenjeans das Maß aller Dinge, kurze Zeit später wird beleidigt und enttäuscht von soviel Unpraktikabilität zur Boyfriend-Jeans gewechselt. Ein bisschen wie Tante Herta, die wegen jedem Kratzen im Hals auf Kur nach Bad Ems fährt.

Aber mal ernsthaft, dass ich den Trend für unglaubwürdig halte, dürfte klar sein. Dass er mir dann auch noch vom Optischen her nicht gefällt… Wen überrascht’s?

Dabei störe ich mich nicht zu sehr an der Flachheit der Treter. Vielmehr sind es die in die Breite (und eigentlich in jede andere Richtung auch) wuchernden Dimensionen, die zwar prinzipiell sportlich (im ursprünglichsten Sinne des Wortes) wirken, sich jedoch in kein Outfit so richtig einfügen wollen.

Farbe, Muster, Form – Die Zusammenstellung eines Outfits ist ein Balanceakt, der mit dieser Art Sneaker am Fuß garantiert aus dem Ruder läuft.

Oder mal ganz doof gesagt: Jogginghosen werden ja auch nicht schöner, bloß weil sie jemand für einen Trend hält.

Bild (c)We-love-Brands.com, via mytheresa.com

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2 Kommentare

  1. Barbara Forster

    Ich liebe die Rubrik “love and hate”. Endlich mal kritische und gleichzeitig sehr witzige Kommentare zu Trends, die nicht immer welche sind oder sein sollten (obwohl ich zugegebenermaßen auch ab und zu Sneakers trage – die sind ja sooo bequem). Wobei nicht immer die Trends interessieren, sondern die Artikel einfach sehr amüsant zu lesen sind – v.a. dank der sehr plakativen Vergleiche von Jonas…
    Weiter so – mit vielleicht etwas leserfreundlicherer Typo.

  2. Sneakers sind super! Nur nicht am Damenfuß (Salt ‘n’ Pepa & Missy Elliot mal außen vor gelassen) und vor allem machen sie … Stinkefüße. Puh.

    BTW: Ich liebe eure kleinen Hassgespräche, obwohl es nicht sein, dass Simone ALLES liebt. Irgendetwas muss es da geben, dass sie so richtig wütend macht. Nehmt ihr auch Vorschläge entgegen?

    Feministische Grüße,

    Anna

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