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Stil im Schlagabtausch

Ist Philipp Plein verdient prominent oder ist sein Design nur protzig? Simone und Jonas liefern sich dieses Mal ein Duell über einen äußerst streitbaren Menschen.

LOVE
Simone:
Erlaubt ist, was gefällt. Was bin ich naiv, oder? Gebt mir einen Verriss des Labels Philipp Plein, den ich bitte noch nicht gehört habe. Warum bringt die Modewelt die schillerndsten Persönlichkeiten hervor, aber ausgerechnet auch die engstirnigsten Kritiker?

Ihr Totalitaristen verratet mir, warum euer Geschmack auch meiner sein soll. Klar, ich könnte mich in skandinavische Sackgewänder schmeißen, wie es halb Berlin macht. Ich könnte mich auch als Gutshofbesitzerin in fünfter Generation verkleiden, wie es halb München macht. Muss ich aber zum Glück nicht.

Philipp Plein macht bewusst Mode, die nie der Masse gefällt. Ihm geht’s um Bling-Bling in nie geahnten Swarovski-Dimensionen, ums Sehen und Gesehen werden. Ich bewundere Plein für diese Konsequenz in seiner Mode wie Meinung.

Selbst ernannte Modeapostel, macht euch locker! Noch besser: Schaut euch die Kollektionen wenigstens an, bevor ihr blinde „copy+paste“-Meinungen zitiert. Plein hat Erfolg, sein Image dazu. Er, der die oberflächliche Welt der Mode mit seinem Luxuslabel spiegelt, wird dafür angefeindet.

Eure „ach, was bin ich avantgardistisch“ Designer entwerfen schöne Mode, mag sein. Aber die kennt halt kein Schwein. Zu wenig Innovation? Kommt mir nicht damit, sonst wickle ich euch in Donna Karans langweilige Jerseykleider und klaue dann überteuerte Handtaschen von Victoria Beckham.

Philipp Plein lebt sein Label, ohne Wenn und Aber. Dafür liebe ich den Mann.

HATE
Jonas:
Anna Wintour sagt einmal im Film „The September Issue“: „There is something about fashion, that can make people very nervous.“ Ihre Bemerkung trifft für mich absolut ins Schwarze.

Warum Mode mir viel bedeutet? Ihre Unberechenbarkeit und die Spannung vor einer Fashion Week, wenn Designer uns endlich wieder an ihren vollgepackten Ideenwelten teilhaben lassen, beflügeln meine Fantasie.

Die Ideenwelt von Philipp Plein hingegen interessiert mich kein Stück. Ich stelle sie mir flach und fantasielos vor. Seine Designs halten ganz klar vor Augen, warum Mode in manchen Kreisen immer noch als frivol und oberflächlich gilt. Anspruch und gute Ideen suche ich vergebens bei Philipp Plein.

Stattdessen liefert er abgenutzte Modemuster, die schon bei anderen Designern und Marken zu sehen waren. Knappe Lederkleider kennt man zur Genüge von Versace, in den Tierprints sehe ich Cavalli. Selbst eine gehörige Portion Ed Hardy findet sich in den glitzernden Tops. Nimmt man diese ganzen „Einflüsse“ weg, bleibt vom Stil der Marke Philipp Plein nicht viel übrig.

Wäre Philipp Plein eine beliebige Modekette könnte ich die prolligen Designs noch irgendwie akzeptieren. Doch was mich wurmt, ist die Tatsache, dass der Name dieses Wunderknabens (mit dessen Hilfe er satte Profite scheffelt) als Nachwuchstalent der deutschen Mode schlechthin gehandelt wird, während in anderen Ländern echte Visionäre zum Zug kommen.

Um eines klarzustellen: Ich bin selbst kein Fan von ach so alternativen Labels, die sich selbst „einen Tick“ zu ernst nehmen und am Ende nur Untragbares anbieten.

Doch ein derart forsches Baggern nach Profit, wie es die Marke Plein betreibt, treibt mir kleine Quäntchen Weißglut in die Adern. Da wird selbst der feurigste Glamour zum Abziehbildchen.

FAZIT
Mit PHILIPP PLEIN ist es wie mit einem Gitarren-Solo auf nem Rockkonzert. Während die einen frenetisch über die Zugabe jubeln, rufen die anderen bereits genervt die (Mode)Polizei.

Bild via PHILIPP PLEIN

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