Trends

Stil im Schlagabtausch

Getippt und getunkt. Von Haarspitzen über Klamotten bis neuerdings Nagellack: Der Farbverlauf ist überall zu sehen. Doch kann man diesen „halben Trend“ für voll nehmen? Simone und Jonas sind da unterschiedlicher Meinung…

LOVE
Simone:
Alexa Chung trägt – seit ich sie aus dem TV kenne – zwei oder drei Brauntöne auf dem Kopf. Und Model Charlotte Free wäre ohne blondierte Mähne mit Rosé wohl gar nicht erst bekannt geworden. Ich mag diesen feinen Akzent, den Ombrè beziehungsweise Dip Dye setzt. Besonders in Pastell wirkt es auf mich sommerlich, frisch und verdammt lässig.

Und da bei den Haarspitzen der Spaß erst beginnt, tauche ich ab sofort meine Jeans, Röcke und Kleider wahlweise in Farbe oder bleiche sie aus. Warum? Weil’s zunächst mal Spaß macht und weil ich damit ein Kleidungsstück rasch und relativ unkompliziert individualisieren kann.

Wer die teils gefärbten Teile von Alexander Wang, Givenchy oder Dries Van Noten gesehen hat, weiß, dass etwas Halbfertiges VOLL gut aussehen kann! Ich werde über den Selbstversuch berichten, ich bin zuversichtlich: Batik habe ich in den 90ern zumindest studiert…

Ombré ist mittlerweile Mainstream? Meine Güte, dieser Trend hält sich nun seit gut zwei Jahren und morgen ist er vielleicht vorbei, oder aber übermorgen… Und dann? Dann habe ich ein paar bunt getunkte Klamotten im Kleiderschrank und muss im schlimmsten Fall auf einen komischen Haaransatz starren. Schlampig? Ich finde der Charme des Dip Dye liegt gerade im Nicht-Perfekten, im Gewollt-Ungewollten.

Am Verlauf der Farben habe ich mich noch lange nicht satt gesehen! Auf die Plätze, fertig, getunkt.

HATE
Jonas:
Es tut mir Leid, aber … Nö! Hinter diesem Trend steckt kein neuartiger künstlerischer Anspruch des Unfertigen, kein Ausdruck zeitgenössischer Empfindung und schon gar keine avantagardistische Herangehensweise an das Thema Mensch und Mode.

Liest sich wie heiße Luft? Ist es ja auch, genauso wie die Bezeichnung dieser Geschmacksverirrung als Trend. Für mich sehen die Ombré- oder meinetwegen auch Dip Dye-Sachen aus wie Batik-Klamotten, bloß zurückhaltender.

Batik … Eine Sache, von der ich nie angenommen hätte, dass sie modisch neu aufgelegt wird. Mit neuem Kostümchen und trotzdem immer noch gleicher, langweiliger Wirkung steht dieser Trend also wieder schief lächelnd vor der Tür. Großartig.

Kann Ombré abseits vom Retroappeal punkten? Hm, nicht unbedingt. Für mich hat Ombré nichts charmant Unfertiges, wie meine geschätzte Kollegin behauptet.

Ich denke bei solchen Teilen eher an gescheiterte Stofffärbeversuche aus dem Privathaushalt oder an die bösen Mädels von damals aus meiner Schule mit pink gefärbten Haarspitzen und Kreolen so groß wie Hula-Hoop-Reifen.

Erwachsen, smart, elegant? Fehlanzeige. Alternativ, locker, unproblematisch? Auch nicht wirklich. Wie wäre es mit Color Blocking für Schüchterne? Ja, damit kommen wir der Sache schon näher.

Ich könnte noch stundenlang irgendwelche Assoziation hin und her werfen, doch für diesen Trend irgendeine Nische zu finden, scheint mir fast unmöglich. Ganz simpel ausgedrückt: Ombré ist nicht so oder anders. Ombré ist einfach nur irgendwie … und wenn das nun zukünftig für den Status „Trend“ qualifiziert, fresse ich auf der Stelle eine Kehrichtschaufel!

Bilder via Polyvore, Models.com

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1 Kommentar

  1. Ich finde, es ist Geschmackssache wie man mit diesem Trend umgeht, bei Frisuren finde ich es gar nicht so schlimm, es ist zwar ausgefallen, aber manche stehen drauf. Genau wie bei den Klamotten, ich finde bei Oberteilen könnte man noch ein Auge zudrücken, denn so ein Farbverlauf kann ja auch was schönes sein und so kann man viele Blicke auf sich reißen. Bei Hosen aber ist es schon to much!

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