Trends

Stil im Schlagabtausch

Tartan, Glencheck und weitere Varianten an Karo sind im Herbst/Winter 2012 erneut im Trend. Während Simone das Karo als coolen Klassiker sieht, zieht Jonas beim Muster den Vergleich zur braven Bibliothekarin. Wer hat eurer Meinung nach Recht?

LOVE

Stella McCartney Minirock Plaid, gesehen bei net-a-porter.com, € 455,-

Simone: Das Gute am Trend „Karo“ ist, das er eigentlich keiner ist. Denn das geometrische Muster, das britische Designer wie Vivienne Westwood, Jonatahn Saunders und Alexander McQueen innig lieben, verschwindet nie völlig aus der Mode. Es ist seit Jahrzehnten über alle Altersklassen hinweg beliebt.

Woran dieser modische Erfolg – speziell bei Röcken – liegt?

Ich sehe in Karos mehr als ein Muster, sie sind in der Mode eine wandlungsfähige Projektionsfläche und gesellschaftliche Grenzüberschreitung. Mal stehen sie als knielanger Bleistiftrock für Eleganz im angesagten Brit Chic, mal als knapper Minirock für rebellische Adaption irgendwo zwischen Punk, Grunge und Holzfällerdasein.

Viele scheuen sich doch nur vorm Schottenmuster beim Rock, weil ihnen die Idee zum zeitgemäßen Kombinieren fehlt. Ich sage: Lasst die Rüschenbluse daheim, tragt einfach wild Karo zu Karo und erklärt mich für verrückt.. Doch dieses Styling funktioniert hervorragend, wenn’s in der gleichen Farbfamilie bleibt und man große und kleine Rauten mixt.

Kleinkariert sind höchstens jene, die nur eine einzige Facette dieses Musters erkennen wollen.

HATE

Marc by Marc Jacobs Tartan Skaterkleid, gesehen bei TheOutnet.com, € 209,-

Jonas: Manchmal hätte ich gerne eine riesenhafte, cartoonige Zirkuskanone, mit der ich alle Trends, Labels und Designer auf den Mond schießen könnte, die es meiner Meinung nach verdient hätten.

Ein netter Nebeneffekt dieser Mondreise wäre, dass gewisse Trends, die zuvor für nichtig und maustot erklärt wurden, außer Reichweite wären und niemals wiederbelebt werden könnten. Denn seien wir mal ehrlich: Die Grabräuber der großen Modelabels machen vor nichts halt, wofür das Revival des Karorocks ein hervorragendes Beispiel ist.

Dank Designern wie Vivienne Westwood schaffte es das Karomuster, trotz oder gerade wegen seiner Spießigkeit „Karriere“ zu machen und seine spießige Wirkung sogar umzukehren… solange es nicht auf (Bleistift-)Röcken auftaucht.

Karoröcke haben nämlich nichts ihres miefigen Urzeitenstaubs verloren. Sehe ich einen solchen Rock, sehe ich überkorrekte Bibliothekarinnen von anno dazumal. Da hilft es dann auch nichts, wenn der Rock von der Queen of Punk persönlich kreiert wurde.

Die zombieartige Wiederauferstehung des scheußlichen Karorocks bringt mich ernsthaft ins Grübeln: Ist mein süßer aber peinlicher Bärchen-Pyjama aus meiner Kindheit vielleicht sogar das nächste Opfer? Ich verschließe diese Nacht meinen Schrank doch lieber mit mehreren Fahrradschlössern.

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