Trends

Stil im Schlagabtausch

Hat die Fellweste eine Chance verdient? Oder sollten wir sie aus dem Kleiderschrank verbannen? Simone und Jonas liefern sich jetzt einen unterhaltsamen, modischen Schlagabtausch!

LOVE
Simone:
Diese Art Weste kann man nicht erklären, man muss sie tragen. Dann erst merkt ihr, wie sich die Weste wohlig an den Hals schmiegt. Wie draußen zwar der eiskalte Wind durch ihre Härchen pfeift, aber ihr trotzdem warm bleibt.

Eine Fellweste ist verwegen, zumindest ihre Geschichte. Ja, ich denke dabei an die Menschen, die in den späten 60ern über Afghanistan nach Indien zur Selbstfindung reisten. Die sich auf ihrem Weg in der Fellweste vor der frostigen Kälte im alten Reisebus schützten und die sie später wohl gegen Drogen eintauschten. Es muss ja niemand wissen, dass ich so gar nicht rebellisch bin.

Eine Fellweste ist auch rustikal. Ich setze mich damit vom Clean Chic der Großstädter ab und stehe zu was „Echtem“. Eure in Schwarz-Weiß zementierte Trendwüste kotzt mich an. Ich bin bieder und steh’ wenigstens dazu, gebt mir noch bunten Cord und Blusen – am besten Karos, die jedem Holzfäller Konkurrenz machen. Es muss ja niemand wissen, dass ich noch nie im Leben Holz gehackt habe und es auch nicht vorhabe.

Wie kann man die Fellweste nicht mögen? Man kann doch höchstens einwenden, dass darin der Träger selbst wie ein Holzfäller auf Drogen wirkt. Weil derjenige die Fellweste nur trägt, weil es gerade alle tun und somit vom eigenen Stil abweicht. Aber dafür kann die schöne Weste nun wirklich nix!

HATE
Jonas:
Zwei Blöcke Eis zum Kochen auftauen, danach duschen und sich hübsch machen bei -30° Celsius. Schließlich den Hundeschlitten anspannen, um damit zur nächsten Cocktailbar zu gelangen.

Würde so der Ausgeh-Alltag einer herkömmlichen Kosmopolitin aussehen, wäre die Integration einer Fellweste ins Outfit absolut angebracht. Ach Quatsch, nicht nur angebracht: Überlebenswichtig!

Stellt ihr euch bitte die Frage, wenn ihr vor dem Fellwestenregal steht: Treibe ich einsam auf einer Eisscholle fernab vom Nordkap umher oder will ich nur dem durchaus erträglichen Winter in Mitteleuropa trotzen?

Entspricht letzteres der Realität, reichen Winterjacke oder Mantel in Kombi mit Strick, um die frostigen Märsche zwischen Wohnung, U-Bahn, Büro, Club etc. zu überbrücken. Denn seien wir ehrlich: Praktisch sind diese Fellwesten nicht. Das Fell außen sieht zwar urig warm aus, bringt aber wenig, wenn auf der Innenseite nur ein paar Quadratzentimeter falsches Leder scheuern.

Wenn schon die Praktikabilität flachfällt, sollte doch zumindest das Kombinieren gelingen, oder? Tja, auch hier macht es einem die Fellweste schwer. Die Wirkung reicht je nach Felllänge von „Schafhirtin auf der Suche nach ihrer Herde“ bis hin zu „Figur aus dem Barbapapa-Universum“. Weibliche Körperform? Ja, wo denn?

Man kann es drehen und wenden, wie man will (oder im Modejargon: Stülpen und Umschlagen). An der Fellweste ist kein gutes Haar zu lassen. Ich persönlich würde es lediglich als kurzzeitigen Mode-Juckreiz am sonst so tadellos gepflegten Körper des guten Geschmacks verbuchen.

Fazit: Die Fellweste ist mit einem Vanillekipferl zu vergleichen. In der Theorie klingt es unglaublich verlockend. In der Praxis leider wird es aber selten gut umgesetzt.

Tags:

0 Kommentare

Bitte einen Kommentar hinterlassen