Trends

Stil im Schlagabtausch


Populär versus politisch inkorrekt? Soldaten und auch Jäger tragen Camouflage, um möglichst unentdeckt zu bleiben – Modefans hingegen wollen damit passend zum Trend Military auffallen. Simone und Jonas streiten, ob Tarnmuster aus ihrer Deckung dürfen oder sich besser unsichtbar machen.

LOVE

Armeejacke in Tarnfarbe, gesehen bei asos.de, € 82,95
Simone: Da kramt jemand eine Armeejacke mit Tarnmuster in Grün oder Beige hervor und schon beginnt das Gezeter… Das kann und darf man nicht tragen. Hallo? Es ist natürlich paradox, sich als Großstadtmensch in Tarnkleidung zu werfen.

Verstecken ist damit unmöglich. Im Gegenteil! Die Verunsicherung bis Provokation, die beim Gegenüber während des Anblicks entsteht, ist einem damit gewiss.

Doch wann genau sind wir diese Gesellschaft geworden, die vor ganz unbestimmten Dingen ganz bestimmt Angst haben braucht? In der jeder Einzelne vor lauter Political Correctness nicht mehr weiß, was er nun aus welchen Gründen schön oder scheiße findet?

Verherrliche ich mit Camouflage den Krieg? Nein, diese Parallele greift viel zu kurz… Ich gebe dem Kleidungsstück eine weitere Bedeutung hinzu, kehre die aggressive Assoziation um. Wenn ihr den Military Look kritisiert, dann bitte im Rundumschlag:

Ihr ruft nämlich zum Krieg auf, nicht ich. Verbieten wir also den Parka, das Barett, Schulterriegel beim Blazer, Gamaschen oder gleich Schuhmarken wie Underground oder Dr. Martens. Bemerkt ihr eure Doppelmoral?

Ich kaufe mir jetzt übrigens einen Pulli mit PopArt-Motiv, vielleicht werde ich ja dadurch zum neuen Warhol oder Lichtenstein.

HATE

Wedges mit Military-Muster von Sergio Rossi, gesehen bei stylebop.com, € 149,-
Jonas: Glorifizierung von Gewalt? Kriegstreiber-Look? Mensch, das sind doch staubig-alte Hüte, da gebe ich Simone ausnahmsweise mal Recht. Das macht den Trend zum Camouflage-Print aber auf der anderen Seite nicht unbedingt besser. Denn wie wir Modefans bestens wissen braucht es keine Grundsatzpolemik um einen noch so umschwärmten Trend zu Fall zu bringen.

Ein gelangweiltes „Äach…“ mit einem gedanklichen Daumen nach unten reichen zumindest bei mir komplett aus. So ähnlich lief es bei meiner ersten Begegnung mit diesem Trend auch ab.

In den ersten Sekunden fand ich die zugegebenermaßen unterschiedlichen Camouflage-Prints durchaus aus interessant, doch schon im gleichen Moment verfliegt der Zauber des Neuen und eine geballte Ladung Uninspiriertheit hält Einzug. Warum Uninspiriertheit?

Einerseits, weil mir die Camouflage-Muster noch irgendwie aus den 90ern bekannt vorkommen (und scheinbar eins zu eins aus der Zeit übernommen wurden), andererseits, weil der Trend schon wieder so ein Garant gekünsteltem Alternativseins ist.

Von wegen Rucksackreisen auf fernen Kontinenten, Arthousefilme und libanesische Kochbücher – im neuen Camouflage-Trend steckt eiskaltes Kalkül um als Modepüppchen den Eindruck zu machen, nicht nur im Besitz vieler Moneten sondern auch einer ganzen Menge unterschiedlichster Lebenserfahrungen zu sein.

Ja ok, Mode ist ja immer auch ein wenig Verkleidung, doch für mich ist das Heuchlerei der flachsten Sorte.

Bild via JAK & JIL (Hintergrund), shopbop.com und asos.de (Produkte)

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