Trends

Stil im Schlagabtausch


Wenig Stoff, viel Diskussionsbedarf. Knappe Bustiers, verkürzte Oberteile und ausgeschnittene Akzente bestimmen die Mode des Frühjahr/Sommer 2012. Wirkt das Zeigen von Haut anmutig oder armselig? Simone und Jonas streiten, bis die Stofffetzen fliegen.

LOVE
Simone: Bauchfrei ist nicht gleich bauchfrei, das möchte ich gesagt haben. Ich rede hier nicht von eingelaufenen Shirts oder solchen, die danach aussehen. Für mich äußert sich der Trend zur “freien Körpermitte” diese Saison in einer ungeahnten Eleganz!

Wenn -wie bei Proenza Schouler oder D&G- ein Bustier zum figurbetonten Bleistiftrock kombiniert wird, ist das für mich sinnlich und sonst mal gar nichts. Genau genommen ist da ja nicht mal der Bauch oder Bauchnabel frei – nur ein kleiner Streifen Haut über der Taille blitzt hervor.

Diese wenigen Millimeter machen so viel aus! Selbst ein schlichtes Kleid wird durch dieses bewusste Weglassen plötzlich wesentlich aufregender. Am schönsten finde ich diese Saison aber ein unifarbenes Kurztop zum gemusterten Glockenrock, der mindestens bis zum Knie reicht.

Da der Bund der Tops und Pullis hoch wandert, bewahrt uns im Gegenzug eine High Waist Jeans vor Enthüllung und Erkältung! Ach, jetzt klinge ich wie meine Oma. Aber da ich sie sehr schätze, geht das in Ordnung.

Zurück zum Modetrend. Cut-Outs sind, richtig dosiert und platziert, wesentlich effektvoller als ein allzu tiefes Dekolletee oder der x-te Minirock. Weil die ungewöhnlichen Hautblitzer die Blicke magisch anziehen und trotzdem nie zu viel offenbaren.

Wozu Modelmaße? Wer seine Mitte gefunden hat, darf sich dort modisch austoben. Die Kritiker sollten allein aus Trauer darüber ebenfalls Halbmast tragen.

HATE
Jonas: Als kleiner Junge dachte ich nicht wirklich über Modefragen nach. Die neuen Videospiele vom Nachbarsjungen und kriegsähnliche Völkerballmatche waren da einfach interessanter. Doch erinnere mich ganz genau an einen „Fashion-Moment“ im einstelligen Altersbereich.

Damals erklärte ich mir in meiner überdrehten Kopfwelt den Anblick eines bauchfreien Tops einfach so: Diese arme Frau/dieses arme Mädchen hat leider nicht soviel Geld, deswegen muss sie an ihrer Kleidung sparen und sich Klamotten mit weniger Stoff kaufen. Folglich: Bauchfrei und Shorts.

Mittlerweile verstehe ich das ökonomische Prinzip hinter der Mode um einiges besser und weiß, finanzielle Armut und Stoffarmut haben nichts miteinander zu tun. Wobei…

Eine ganz eigene Art von Armut stelle ich jedoch trotzdem beim aktuellen Cut-Out-Trend fest: Ideenarmut (haha). Ob man’s glaubt oder nicht, Cut-Outs sind ein alter Hut. In den 80ern schockierte damals Rei Kawakubo (Comme des Garcons) die damalige Modewelt mit auf gerissenen und zerschnippelten Blazern.

Ihr Ansatz war jedoch ein viel künstlerischer, ganz anders als der gegenwärtige, plumpe Versuch, die Prozentanteil von Hautsichtbarkeit nach oben zu treiben.

Und überhaupt, ist man nicht mit traumhaften Modelmaßen gesegnet, wirken Outfitversuche mit Cut-Outs bestenfalls unbeholfen.

Ja, liebe Modedesigner, die Schneiderei ist ein Handwerk genauso wie die Metzgerei. Doch anders als der Metzgermeister solltet ihr eure Stücke im Ganzen verkaufen und nicht mit den Partien herausgetrennt, die schlecht zu kauen sind oder überhaupt unappetitlich.

Bild via CoolSpotters.com

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1 Kommentar

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