StyleKnow-how

das nachhaltige Schuhlabel im Porträt

Grüner Glamour. „Theo&Mo“ sorgte mit einigen Guerilla-Aktionen rund um nachhaltig produzierte High Heels bereits während der Fashionweek Berlin für einiges Aufsehen.

Doch ist das Wortspiel „Heel the World“ eine großmundige Ansage oder tatsächlich tiefgreifendes Anliegen? Wir haben mit David H. Dudek, Kreativdirektor des kleinen Label, über Unternehmensphilosophie, Herstellung und Trends bei Schuhen gesprochen.

Wie kam es zur Gründung des Labels?
Mein Schuhtick war schuld. Das war seit jeher meine Passion: Andere bringen Souvenirs aus dem Urlaub mit, ich neue Schuhe (lacht). Skizzen habe ich früh entworfen und weil davon schon mein ganzer Freundeskreis genervt war, wagte ich 2008 zusammen mit Martin Maczurek den Schritt ins Design.

Zuerst machte ich mich auf die Suche nach Produktionsbetrieben von bekannten Schuhdesignern. Ich war viel in Osteuropa unterwegs und blieb in den Schuhfabriken vor Ort. Einige Wochen hier, einige Wochen da – im Endeffekt lernte ich über ein Jahr hinweg das Handwerk von Grund auf und bin nun in der Lage, vom Prototyp bis zur Schuhserie alles selbst zu erstellen.

Was zeichnet die Schuhe des Label „Theo&Mo“ aus?
Unsere Schuhe sind zu 100% made in Germany und wir legen höchsten Wert auf nachhaltige Materialien. Anstatt Plastik-Plateaus kommt nur Naturkautschuk bei den Schuhen zum Einsatz. Das Fußbett passt sich zum einen besser an und durch den Verzicht auf Kunststoff verschmutzen wir unsere Umwelt weniger.

Ungewöhnliche Details wie geschwungene Manschetten, achteckige Cutouts und die Variation von Absatzform sowie kräftige Farben sollen langfristig unsere Schuhmarke etablieren. Fürs Obermaterial verwenden wir Nanaileder, das viel leichter und formbarer als Rindsleder ist. Außerdem ist Nanai eine ökologisch korrekte Alternative.

Nanai – was kann man sich darunter genau vorstellen?
Nanai ist der Markenname für ein flexibles und gleichzeitig robustes Leder, das aus Lachshaut gewonnen wird. Der Begriff stammt vom einem sibirischen Volk, das seit Jahrtausenden dieses Material für Taschen, Schmuck und Kleidung nutzt.

Genau genommen ist Nanai ein Abfallprodukt, das von Biofarmen aus Irland stammt. Dort wird ausschließlich für den Lebensmittelbereich gezüchtet – bis vor wenigen Jahren wurden die Häute einfach weggeschmissen! Nun gibt es eine sinnvolle Weiterverwendung dafür.

Nanai gerbt als einziger Hersteller weltweit das Leder absolut chromfrei. Bei der für nanai typischen Struktur tippen viele übrigens zunächst auf Schlange. Da braucht es noch einiges an Aufklärungsarbeit, selbst Einkäufer auf der Modemesse PREMIUM in Berlin waren darüber erstaunt.

Michael Michalsky war einer der ersten Designer, der das Material für seine Kollektionen entdeckt hat. Strenesse und auch Mongrels in Common verwenden Nanai nun für sich. In einer Reihe mit diesen namhaften Labels erwähnt zu werden, ist schon ein tollen Gefühl. Wir arbeiten mit Nanai gern zusammen, auch weil wir uns ungewöhnliche Lederfarben wünschen. Purple und Türkis stehen ganz oben auf unserer Wunschliste.

Der Umweltgedanke zieht sich ins kleinste Details durch…
Ja, Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in der Verpackung wider. Wir verwenden bewusst nur Recylingmaterialien und handgeschöpftes Papier zum Auslegen. Auf ein aufgedrucktes Logo wird verzichtet, dafür gibt’s einen kleinen Schildkröten-Anhänger an der Schuhbox – den kann man auch noch als Accessoire tragen.

Warum ist gerade die Schildkröte das Symbol bei „Theo&Mo“?
Weil sie wie kein anderes Tier für Langlebigkeit steht. Und um ehrlich zu sein: Ich finde Schildkröten einfach faszinierend. Es ist beschämend, dass viele Tierarten durch unser rücksichtsloses Verhalten vom Aussterben bedroht sind.

Beständigkeit ist in der Fashion natürlich zweischneidig. Die Schuhmode wechselt rasch und auch „Theo&Mo“ unterliegt mit den High Heels aktuellen Trends. Jedoch wollen wir durch ökologische Produktion und beste Verarbeitung versuchen, der Wegwerfmentalität etwas entgegenzusetzen.

Wer aus der Fashionwelt ist bereits auf „Theo&Mo“ aufmerksam geworden?
Wir streben nicht sofort große Kooperationen an, das würde dem Grundgedanken des Labels widersprechen. Wir achten auf beste Qualität, ich und mein Bruder bauen das Marketing schrittweise auf. Mittlerweile sind wir in Deutschland, auf Mallorca und auch in New York auf Interessenten gestoßen.

In der aktuellen Fashion Show von Guido Maria Kretschmer wurden unsere Schuhe von professionellen Tänzerinnen in Szene gesetzt. Luftsprünge auf 12cm-Stillettos – das war eine hervorragende PR! (schmunzelt) Wir arbeiten bei unseren Schnittmustern auch mit den Schuhmachern bei Wunderkind zusammen, die ihr riesiges Vorwissen einbringen.

Wo gibt’s die Schuhmodelle von „Theo&Mo“ zu kaufen?
Bei uns sind Produktion und Vertrieb sehr exklusiv und individuell, wir haben daher noch viel direkten Kundenkontakt. Neben der kleinen Serie sind Maßanfertigungen à la „perfekte Schuhe zum Abendkleid“ möglich. Also genau abgestimmte Farbe, exakte Fußbreite – all diese Details. Preislich startet unsere Kollektion ab 499 Euro.

Das ist gehoben, aber im Gegensatz zu Herstellern mit fragwürdigen Gewinnspannen ist unser Preis mehr als gerechtfertigt. Wenn man den Arbeitsaufwand von der ersten Skizze bis zur fertigen Serie, den Produktionsstandort und die nachhaltigen, beständigen Materialien bedenkt, ist der Schuh sein Geld absolut wert!

Mir ist aufgefallen, dass ihr auf kräftige Farben setzt!
Wir wollen „grünen Glamour“ beweisen! Dazu verbinden wir die große Farbpalette von nanai mit deutschem Handwerk und kreieren daraus Design der Premiumklasse. Es muss nicht alles Braun oder Olive sein, nur weil Öko draufsteht.

Das neongrün-weiße Modell Eve hat einen mittelhohen Absatz, den frau auch mal mehrere Stunden bequem tragen kann. Der goldene Tyra ist hingegen unser Ausgehschuh mit Hinguckergarantie – besonders in Mallorca der Renner. Ira ist der Schuh für den großen Auftritt in Abendrobe.

Eure Trends für Herbst/Winter 2011?
Die Farben werden insgesamt etwas gedeckter sein, aber „Theo&Mo“ treibt’s nach wie vor bunt.
Außerdem möchten wir uns auch in puncto Form treu bleiben: Wir werden die bisherige Schuhform nur leicht adaptieren und denken über lässige Ankle Boots nach.

Im April starten wir mit den ersten Schnittmustern. Letzten Endes will ich jeden einzelnen Schuh anschauen und zu mir sagen können: „Genau SO hatte ich mir den vorgestellt!“ Dafür braucht man eben Zeit sowie viel Akribie und Leidenschaft für kleine Details.

We-love-Brands bedankt sich bei David fürs ausführliche Interview und wünscht „Theo&Mo – Heel the World“ weiterhin viel Erfolg!

Direkt zu Theo&Mo – Heel The World

Tags: Green Fashion

2 Kommentare

  1. Gladys Elena Ridzewski

    Ich suche dringend wunderschönen, auch zu meinen schmerz geplagten unterschiedlichen Füße gute Werkschuh.
    Wäre der Versuch Wert einen Termin bei Ihnen zu vereinbaren.
    Liebe Grüße
    Gladys Elena Ridzewski

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