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Schönes oder scheinheiliges Verbot?

Pelzverbot in West Hollywood ab 2013. Der Stadtrat in West Hollywood schreibt Geschichte: Gerade wurde eine Verordnung verabschiedet, die den Handel und Verkauf von Kleidung aus Pelz in der US-Gemeinde verbietet.

Meiner Recherche nach ist es das erste Urteil, das derart weitgreifend den Handel mit Fell von Fuchs, Nerz, Kaninchen, Bär, Seehund oder Chinchilla untersagt.

Ab 2013 soll das Gesetz in Kraft treten. Byebye Hermelin! Mal im Ernst – was bewirkt dieses Urteil? Es ist für mich ein Lippenbekenntnis, auf das höchstens PETA ein Loblied singt.

Wie sieht es denn mit einer Strafverfolgung für Pelzträger ab 2013 aus? Da werden sich selbst die fünf(!) Mitglieder des erwähnten Stadtrates nicht einig. „Pelzfrei“ – die Polemik kommt vor der Politik. Wird es Ausnahmen von der Regelung geben? Puh, immer diese Nachfragen.

Omas Erbstück in Form eines Mantels oder einer Mütze muss niemand verbrennen. Das bleibt genauso erlaubt wie die Fellbestände in den Vintage Shops, die es wohl auch in West Hollywood zum Abwinken gibt. Ob die irgendwann brennen, ist eine andere Frage…

Wie sieht’s denn mit einem viel wichtigeren Importverbot aus China aus? Diese Nation ist der größte „Produzent“ für Pelz. Kein Wort dazu. Wäre von West Hollywood auch etwas viel verlangt. Aber mit dem hausgemachten Verbot kann man ja trotzdem mal hausieren gehen, bravo.

Das Verbot ist in etwa so weitreichend wie ein Pelztierkäfig groß. Ich stelle mich demnächst auch in die Münchner Kaufingerstraße und erkläre „hiermit und heute ist in der Altstadt das Tragen von Pelz verboten“. Ich hör’ die Neu- und Altreichen in Bogenhausen, Grünwald oder Starnberg bis hierher kichern. Sie werden im doppelten Sinne des Wortes einen Umweg finden.

Umwege gibt es nämlich auch in der Pelzindustrie zur Genüge. Fallenfang? In der EU verboten. Aber jetzt ratet mal: Die USA, Kanada und Russland liefern unbeirrt die auf diese Weise gefangenen Tiere, ergo Felle, zu uns. Natürlich wird dieses kleine Detail nicht auf einem Lieferschein vermerkt.

Ebenso wenig angeführt ist die Abstammung. Wir kriegen es nicht mal auf die Reihe den jetzigen Pelz deutlich zu deklarieren. Der Mantel aus vermeintlichem Kaninchenfell? Oder der kleine Pelzbesatz bei eurem neu gekauften Parka?

Je günstiger, desto wahrscheinlicher Hund oder Katze. Aber diese Einfuhr von Pelz und der Handel ist doch seit 2009 in der EU verboten! Klar, und Jäger wie Händler werden so blöd sein und darauf hinweisen..

Erforderliche Tests zur Analyse des Pelzes – zu teuer, zu umständlich, zu unbequem gegenüber der Lobby. „Fake Fur“ steht eher für Scheinheiligkeit als für synthetische Alternativen.

West Hollywood, ich gratuliere zum Urteil und dem selbst verliehenen Titel „erste pelzfreie Stadt der Welt“. Aber in welcher mit Botox und Silikon versiegelten Blase lebt ihr Kalifornier eigentlich?

via Spiegel ONLINE
Bilder via flickr.com, Rocket Scientist X und Covermedia

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3 Kommentare

  1. endlich, wurde schon lange Zeit!

  2. Tja und nackig für PETA posieren is ja auch soooooo in! Diese ganzen möchtegern-naturliebenden Supermodels, Schauspielerinnen und Vorzeige-Ehefrauen reicher Unternehmer, wer kann die schon ernst nehmen? Pelz Ja/Nein ein erstes Thema, aber so wird das eben auch nix!

  3. was willst du überhaupt? ist dch ein Anfang.

    Ich hätte nie geglaubt, dass die USA das durchsetzt. Ob es eingehalten wird, kann ich mir nicht vorstellen.

    Hollywood = Heuchler

    jetzt endlich Schluss mit Schlangenleder und dem ganzen Quälerei-Scheiß den du auch auf dem Blog hast!

    Gruß,
    Tina

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