Know-how

Entwicklung der Workwear

Wenn der Blaumann zum Jumpsuit wird. Was fällt euch zum Begriff „Workwear“ als erstes ein: Handwerkerhosen, die schwarz-weiße Arbeitskleidung in der Gastronomie oder doch die leuchtenden Schutzwesten auf dem Bau?

Derlei Verwendung ist offensichtlich und hat praktische Gründe. Doch Arbeitskleidung ist weit mehr: Sie kann Gefühl der Identität stiften und zugleich Inspirationsquelle für High Fashion sein.

Cooporate Design, das Funktion und Fashion vereint, liegt im Trend. Wusstet ihr, dass zum Beispiel die Uniformen bei Air France seit Jahrzehnten von Luxusmodehäusern stammen und Christian Lacroix diese zuletzt designt hat? Optische Zuordnung gibt’s bei Firmen, ist aber auch im Sport omnipräsent.

Der Fußball ist dabei Vorreiter – hierzulande kleidet Strenesse seit Jahren die deutsche Nationalmannschaft abseits des Spielfelds ein, die italienischen Spieler durften sich über Anzüge von Dolce & Gabbana freuen. Übrigens stattet das Designerduo neuerdings auch Boxer der World Series aus. Und Modezar Karl? Der mischt auf seine Weise mit und fotografierte gerade die französische Nationalmannschaft in neuen Nike Trikots.

 

„Arbeitskleidung“ kommt also in verschiedensten Formen daher, inspiriert Modeschöpfer und verdient das Prädikat „Design“ in immer mehr Fällen auch selbst. Früh erkannt hat diese Verknüpfung zweier Welten Oliviero Toscani, selbst bekannter Modefotograf. Er initiierte anlässlich der Mailänder Modemesse Pitti Uomo im Jahr 2009 die Ausstellung „Workwear“, die sich Bekleidung und Zubehör aus dem Arbeitsbereich im Wechselspiel widmete.

Die Referenzen in der Modewelt sind unzählbar. Überlegt nur mal, dass heute so Alltägliches wie Jeans oder Doc Martens ursprünglich als Arbeitskleidung galten! Selbst in der Haute Couture findet sich die Inspiration wieder – Celine empfiehlt für diesen Sommer quasi den „Blaumann 2.0“ und Balmain berief sich bei der Winterkollektion in Paris mit Jumpsuits und weißem Schuhwerk auf die Workwear. Junya Watanabes Männerkollektionen erinnern seit Saisonen mal an die Marine, mal an Forst- und Landwirtschaft.

Apropos Bauernhof! Die Modeschule M3 in Hannover hat das Potential von designter Arbeitskleidung entdeckt und toll umgesetzt. Studierende arbeiteten mit Landwirten aus Milchviehbetrieben zusammen und kreierten mit „White Energy – [kuhle] Kollektion“ Arbeitsbekleidung in Trendfarben und modernem Schnitten bei hoher Funktionalität.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch VVERK aus Berlin. Deren Team besteht aus Bianca Koczan, Dunja Marija Kopi und Maximilien Brunon, die Abschlüsse an Hochschulen für Mode und Kunst vorweisen und sich bereits während des Studiums mit Berufsmode beschäftigten. Ob Ausstattung für Confiserie, Messepersonal oder Funktionskleidung für den Betriebssport: Beim Designstudio geht es um ein neues Verständnis von Arbeitskleidung und individuelle Formsprache.

Unsere Betrachtung zeigt auf: Arbeitskleidung dient vor allem dem Handwerk. Modedesign ist selbst Teil des Handwerks. Ästhetik kann viel Arbeit bedeuten. Und Arbeit mit der passenden Kleidung wiederum ästhetisch sein.

Bilder via Pitti Uomo (A. Ciampi), Air France, Style.com (Marcio Madeira, Monica Feudi, Yannis Vlamos), Modeschule M3, VVERK

Tags: Céline, Dolce & Gabbana, Karl Lagerfeld

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