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Die Geschichte des Palituch

Palituch – Ein Tuch erobert die Welt. Halstücher gibt es in allen Farben, Formen und Mustern. An sich nichts Besonderes. Doch es gibt ein Tuch, dass die Welt immer wieder zu Diskussionen anregt. Ein einfaches Baumwolltuch, dass sowohl Johnny Depp, Ricky Martin, David Beckham als auch die Rechten und die Linken tragen. Es hängt in den Läden von H&M und New Yorker und hat sich seinen Weg bis zu den Modenschauen dieser Welt gebahnt. Die Keffijeh, auf deutsch auch Palästinensertuch, Arafatschal oder abgekürzt Palituch genannt.

Seine Geburtsstätte liegt, wie der Name schon sagt, in Palästina. Dort diente das zu einem Dreieck gefaltete Kopftuch der ländlichen Bevölkerung als Schutz vor Sonne und Staub. In den 30 er Jahren benutzten es dann die Aufständischen, die gegen die jüdische Einwanderung und die britische Kolonialherrschaft kämpften, vor den Mund gebunden als Tarnung. So wurde es zum Widerstandssymbol.

Weltweit bekannt machte das Tuch aber erst Jassir Arafat, der es zu jeder Gelegenheit und immer in verschiedenen Variationen trug. So wanderte die Keffijeh auf dem Kopf von Arafat durch die ganze Medienlandschaft.

Nach Deutschland kam es dann erstmals in den 60 er Jahren durch Aktivisten des Studentenprotests, die es aus den Lagern der PLO mitgebracht hatten. Dadurch erlangte das Accessoire, dass jetzt nicht mehr nur als Kopf- sondern auch als Halstuch getragen wurde, in Deutschland Symbolgehalt und zwar als Zeichen der Linken.

Trotz seiner bewegten Geschichte zählt es mehr als Fashionstatement als als  Politisches. Die Meisten tragen es aus modischen Aspekten und nicht mehr aus einem politischen Hintergrund. Doch neben der Tendenz der Entwertung des Symbolgehalts ist seit Anfang des Jahrhunderts noch eine zweite zu beobachten, nämlich die Umkehrung seiner politischen Bedeutung.

Mittlerweile ist es auch zu einem Accessoire der Rechtsradikalen geworden. Das hat zwei Gründe: Erstens eignet sich die Rechte gern revolutionäre Symbole der Linken an. Und zweitens hatte die Keffijeh in ihrer Geschichte als Zeichen des Widertands der Palästinenser auch eine antijüdische Bedeutung.

Der Weg des Palituch zeigt also, dass es ein bisschen mehr ist als nur ein Halstuch oder Modeaccessoire. Es erzählt die tragische Geschichte des Konflikts zwischen Israel und Palästina und es ist sowohl Symbol der Rechten als auch der Linken.

Mode ist aber zum Glück keine Politik und deshalb nimmt sie sich immer wieder die Freiheit starke politische Symbole zu benutzen. Sei es der rote Stern, das Bild Che Guevaras oder der Mao Anzug. Natürlich kann man solche Mode tragen, aber man sollte sich über ihre Sprache bewusst sein und was sie für einen Eindruck vermitteln können.

Bild via Eisberg

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1 Kommentar

  1. Die Rebellion ist tot, es lebe die Rebellion – Mode ist eine Lebenseinstellung, die man auf dem Körper trägt! ;)

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