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Mythos oder Realität?

„Wird der Rock länger geht es der Wirtschaft schlecht, wird der Rock kürzer geht es der Wirtschaft gut“. Fast jeder hat schon einmal etwas von dem sogenannten „Hemline Indikator“ oder ähnlichen Weisheiten gehört. Mode als Wirtschaftsindikator am Beispiel des Rocklängen Indikator – Mythos oder Realität?

Die Vorreiter: Das erste Mal erwähnte der US-Anthropologe Alfred L. Kroeber 1919 die Rocklänge und die Wirtschaft zusammen. Anhand der Analyse von Rocklängen- und weiten untersuchte er den immer wiederkehrenden Rhythmus der Mode. 1920 untersucht Garrison oder George Taylor 10 Jahre den Zusammenhang zwischen Rocklänge und Wirtschaft. Sein Ergebnis es besteht eine starke Korrelation zwischen der Rocklänge und der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Allerdings ist das Ergebnis wissenschaftlich gesehen nicht haltbar, da die Dauer der Untersuchung zu kurz war. Taylor gilt als Begründer der Rocklängen-Indikator These.

Der Hemline Indikator im Test: Desmond Morris machte die umfassendste Untersuchung zum Rocklängen Indikator. Er untersucht die Beziehung von Rocklänge und Wirtschaftssituation im Zeitraum von 1921 bis 1977. Sein Ergebnis: „Wenn die Aktien steigen, steigt auch der Rocksaum, wenn sie fallen, fällt er mit ihnen“, Desmond Morris in „Der Mensch mit dem wir leben“. Als Beweise führt er Beispiel die kurze Rocklänge der 20er an und im Gegenzug mit der Weltwirtschaftskrise und dem schwarzen Freitag 1929 die länger werdenden Röcke. Die prägnanteste Phase sind wohl die 60er mit der Erfindung des Minirocks, die auch gleichzeitig mit einem positiven Wirtschaftswachstum. Als Begründung für den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Rocklänge führt Desmond die These an: „Warum Frauen eigentlich bei gesünderer Wirtschaftslage mehr von ihren Beinen zeigen, ist schwer zu verstehen, es sei denn, man nähme an, dass das Gefühl finanzieller Sicherheit sie zu einem ungenierten Aufforderungsverhalten gegenüber Männern hinreiße.“

Kritik: Allerdings enthält die Untersuchung von Desmond Morris einige Fehler und ist deshalb wissenschaftlich auch nicht haltbar. Der erste Kritikpunkt ist, dass der Gegenstand der Betrachtung nicht einheitlich ist. So vermischt Morris Alltagsmode und High-Fashion und zieht keine Trennungslinie. Außerdem ordnet er die Erfindung des Minirocks, die eigentlich 1959 von Mary Quant stattfand, modegeschichtlich falsch ein und setzt den Minirock erst 1964 ein. Weitere Kritikpunkte sind die großen nationalen Unterschiede und die langen Vorlaufzeiten der Designer.

Fazit: Alle Untersuchungen zur Verbindung zwischen Wirtschaft und Mode sind wissenschaftlich zwar nicht haltbar, trotzdem scheint eine Beziehung zu bestehen. Ingrid Loschek beschrieb den Zusammenhang zwischen Rocklänge und Wirtschaft als Spiegel der Selbstverwirklichungsmöglichkeiten der Frau. Die Saumlänge als Spiegel der allgemeinen Lebenseinstellung in Verbindung mit der Ab- oder Unabhängigkeit der Frau vom Mann.

Bild via  kommunikative Schlüsselqualifikationen


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