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Markus Schmidbauer: Mode mit Message

Für den „Designer for Tomorrow“-Award im Rahmen der Berlin Fashion Week wählte Marc Jacobs die fünf vielversprechendsten Nachwuchstalente aus. Einer davon ist Markus Schmidbauer. Mit seinem Label „Raspberry Cheesecake“ steht er am Anfang seiner Karriere. Ein Gespräch über Widersprüche, Tragbarkeit und Mode mit Message.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Mein Stil ist sehr experimentell und avantgardistisch. So verwende ich beispielsweise gezielt Materialien, die man eigentlich nicht mit Mode in Verbindung bringt, wie Metall oder Kunststoff. Der künstlerische Anspruch in meinen Kollektionen ist dabei sehr hoch.

Deine aktuelle Kollektion trägt den Titel „The Relief from Industrialisation“. Wie wichtig ist dir die Botschaft hinter der Mode?

Einer Kollektion eine Message zu geben oder sie eine Geschichte erzählen zu lassen, ist für mich sehr wichtig.

Der Titel meiner aktuellen Kollektion A/W 2011/2012 “The Relief from Industrialisation“, übersetzt „Die Befreiung von der Industrialisierung“, beinhaltet Kritik an der Massenproduktion und beschreibt das Verlangen zurück zum Ursprünglichem.

Interpretiert und realisiert auf eine provokante, aggressive Art und Weise, die das Thema in das 21. Jahrhundert katapultiert. Metall, Leder, Latex und Kunststoffe dominieren die Outfits und erzielen somit einen Widerspruch mit der Befreiung von der Industrialisierung und bilden letztlich das gewünschte Spannungsfeld von Dominanz und Rezessivität.

Spannungsfelder zu erzeugen, die Zuschauer mit meiner Kollektion zum Nachdenken zu bringen oder mit der Geschichte zu fesseln, die hinter der Kollektion steht, ist für mich von großer Bedeutung.

Ob die Kollektion nun gefällt oder nicht, ist Ansichtssache, aber mit einer Message soll sie den Zuschauern auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben.

Was sind die Besonderheiten Deiner Mode?

Es werden Stoffe verwendet, die das Verlangen nach Besonderheit und Individualismus eines jeden Kunden befriedigen. Jedes Kleidungsstück hat dabei seine eigene Philosophie.

Beginnend bei außergewöhnlichen Schnitten bis hin zu einer Anhäufung an Feinheiten und Details.

In jeder Kollektion finden sich Elemente wieder, die untypisch sind für eine Modekollektion. Materialien werden von ihrem eigentlichen Zweck entwendet und in eine mondäne Version einer zeitgemäßen Damenkollektion befördert.

Außerdem verwende ich keine Reißverschlüsse. Es existieren Tausende und Abertausende von Knopfvarianten: Warum also nicht verschiedenartige Schließmechanismen wie Knöpfe, Klettverschlüsse, Bänder, Haken und Ösen einem einfachen Reißverschluss vorziehen. So wird aus einem schlichten Kleid etwas ganz Besonderes.

Tragbarkeit vs. künstlerischer Ausdruck – Was ist dir wichtiger?

Ich designe mit Vorliebe ausgefallene Showteile. Dementsprechend ist mir der künstlerische Aspekt in jeder Kollektion sehr wichtig. Allerdings, je nachdem wie sich mein Label entwickelt, wird es zukünftig mehr massentaugliche Teile geben.

Es ist eine ziemlich schwere Gratwanderung; Auf der einen Seite seine künstlerische Freiheit und den eigenen Stil nicht zu verlieren, auf der anderen Seite den Absatz der Kollektionsteile stetig im Auge zu behalten. Deshalb werde ich in Zukunft massentauglichere Kollektionen erstellen mit künstlerischen Highlights, um meinem Stil auch weiterhin treu zu bleiben.

Dein Label heißt „Raspberry Cheesecake“. Was steckt hinter dem Namen?

Der Name entstand während eines Uniprojekts im dritten Semester.

Irgendwie hat mich dieser Name nicht losgelassen. Daher habe ich mich dafür entschieden, mein Label unter diesem Namen zu etablieren.

Es geht auch hier wieder um Widersprüche. So assoziiert man doch Rasperry Cheesecake eher mit einer Konditorei oder Ähnlichem, aber nicht mit Mode. Gerade im Hinblick auf das Klischee, dass kalorienhaltige Nahrungsmittel in der ach so figurbewussten Modewelt verpönt sind. Darüber hinaus wollte ich mich mit dem Namen auch von der Konkurrenz abheben, da die meisten Designer ihr Label nach sich selbst benennen.

Eigentlich hast du ja Modemanagement studiert. Wie bist du dann doch zum Modedesigner geworden?

Ich habe im Laufe des Studiums festgestellt, dass mir zwar die zahlreichen Marketing- und BWL-Fächer liegen, aber meine Kreativität nicht besonders viel Raum bekommt. Deshalb habe ich mir Dinge wie Schnitterstellung im Laufe der Zeit autodidaktisch beigebracht. Endgültig für das Modedesign habe ich mich entschieden, nachdem ich ein Semester am Central Saint Martins College of Art & Design in London studiert hatte.

Zur Person: Bereits mit seiner zweiten Kollektion konnte Jungdesigner Markus Schmidbauer Marc Jacobs überzeugen. Der Schirmherr des „Designer for Tomorrow“ Award nominierte den 25-jährigen Münchner im Rahmen der Berlin Fashion Week.

Dabei kam das Nachwuchstalent erst über Umwege zum Modedesign. Während seines Mode- und Designmanagement-Studiums an der Akademie Mode & Design München eignete er sich autodidaktisch Kentnisse wie Schnitterstellung an. Endgültig für den Beruf des Modedesigners entschied er sich während eines Auslandsemesters am renommierten Central Saint Martins College of Art & Design in London. Seit 2008 betreibt er sein Label „Raspberry Cheesecake“.

Bilder Markus Schäfer, Max Höll

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