Know-how

Der Maßanzug in Perfektion

Fernab von Billigketten und Wegwerfgesellschaft hat sich Andreas Moller der Mode nach Maß verschrieben. Zwischen Tradition und Innovation führt er seine Maßschneiderei in Weiden i.d. Opf. Ein Gespräch über Werte, Einflüsse und den Anzug fürs Leben.

Dein Label heißt „Andreas Moller bespoke couture since 1882“ – Was bedeutet bespoke?

„Bespoke“ steht für denjenigen, der mit den Kunden spricht. Es geht darum Bedürfnisse, Persönlichkeit und Wünsche des Kunden zu erfassen. Es gibt drei Sitzungen. Beim ersten Treffen nehme ich Maß und in der zweiten und dritten Sitzung folgen die Anproben. Nur so kann der perfekte Sitz und die individuelle Note des fertigen Anzugs gewährleistet werden. Im Gegensatz zu der Maßkonfektion, die sich zwar so bezeichnen, aber nicht nach den Grundsätzen handeln, ist mein Kunde aktiv in den Prozess mit eingebunden. Alles wird individuell an die Persönlichkeit und Figur des Kunden angepasst.

Was früher normal war, ist heute Luxus – Ist die Zeit der Maßschneider vorbei?

Zwar gab es früher wesentlich mehr Maßschneidereien, da kamen vielleicht auf einen Ort wie Weiden 20 bis 30 Stück. Doch trotz des massiven Rückgangs glaube ich nicht, dass die Zeit vorbei ist. Meines Erachtens gibt es im Moment einen Wertewandel. Die Menschen wollen lieber gute Qualität. Die Frage ist kaufe ich mir lieber viele Klamotten oder leiste ich mir ein besonderes Kleidungsstück, das auf mich zugeschnitten ist und das ich die nächsten 30 Jahre tragen kann.

Was zeichnet Deine Mode aus? Warum einen Andreas Moller Anzug?

Das Besondere an meinen Anzügen ist zum einen die Fertigungstechnik. Ich arbeite genauso wie vor 100 Jahren. Das liegt daran, dass ich zwar verschiedene Techniken ausprobiert habe, aber keine diesem Anspruch von Perfektion standhielt. Die Konsequenz war für mich, dass es keine Vereinfachung in der Produktion geben kann, um die Maßstäbe zu halten. Das zweite besondere an meinen Anzügen sind die Details, die den Gesamteindruck bestimmen. Unter 10 Anzügen erkennt jeder meiner Kunden einen Andreas Moller Anzug. Proportionen und Details wie beispielsweise Revers, Taschen und Knöpfe werden ideal auf den Körper des Kunden angepasst. Auch das Innenleben des Anzugs hebt sich durch die besondere Verarbeitung wie die Handsäumung und Zierstiche ab.

Neben den Anzügen hast du auch eine Damenkollektion. Wie würdest du Deine Damenkollektion beschreiben?

Es sind alles Einzelstücke. Die aktuelle Kollektion besteht aus speziellen Herrenanzügen. Ich dekonstruiere die Anzüge, indem ich beispielsweise die
Ärmel oder das Revers von ihrem ursprünglichen Platz entferne und an anderer Stelle wieder annähe. Ich verändere den Wert des Herrenanzugs so dass durch Form, Schnitt und Silhouette ein neuer Wert für die Frau entsteht.

Tradition und Innovation – Wie bringst du diese Gegensätze zusammen?

Mir ist es wichtig die traditionelle Maßschneiderei mit modernen Elementen zu verbinden. Deshalb habe ich mich damals auch entschieden nach London zu Ozwald Boateng in der Savile Row zu gehen, da er meines Erachtens Modernität und Tradition sehr gut vereint. Bei mir äußern sich die zeitgemäßen Elemente vor allem in den Details. So variiere ich z.B. mit farbigem Innenfutter aus Seide. Auch das Futter auf der Innenseite des Revers grenzt sich vom klassischem Anzug ab.

 

Welchen Bezug haben aktuelle Strömungen bzw. das Zeitgeschehen auf Deine Mode?

Gerade in der Maß-Mode ist der Zeitgeist des Einzelnen enthalten. Geschmack, Stilempfinden und die individuelle Persönlichkeit spiegeln sich in jedem einzelnen maßgeschneiderten Stück wieder. Aber auch aktuelle Ereignisse oder Strömungen greife ich in meiner Mode auf. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Umweltkatastrophen ist es wichtig die Zeichen der Zeit zu erkennen, deshalb setze ich auch auf Nachhaltigkeit. So nutze ich beispielsweise lokale Ressourcen wie eine Lodenfabrik in Tirschenreuth und habe meine Produktionsstätte nicht irgendwo, sondern hier in meinem Atelier.

Wie bist Du zur Mode gekommen?

Die Prägung entstand eigentlich schon ganz früh, da unsere Familie die Schneiderei bereits seit 1882 führt. Der eigentliche Auslöser, einen Beruf in diese Richtung zu ergreifen, kam aber aus einer anderen Richtung und zwar aus dem Sport. Ich war damals Sandboarding Weltmeister und war auf der Suche nach dem richtigen Board. Ich habe alle möglichen industriell gefertigten Boards ausprobiert, aber keines erfüllte meine Ansprüche zu 100%. Also ließ ich mir für meine Bedürfnisse eines anfertigen, welches letztendlich optimal zu mir passte. Daraus entstand das Bewusstsein zurück zur Familientradition.

Zur Person: Seit 2005 führt Andreas Moller seine Maßschneiderei „Andreas Moller bespoke couture since 1882“ in vierter Generation in Weiden i.d. Opf. Nach seiner Ausbildung zum Maßschneider absolvierte er sein Diplom für Modedesign an der Meisterschule für Mode  in München bevor es ihn in die Metropole London verschlug. Zunächst arbeitete er dort für die Queen of Punk Vivienne Westwood, um später eine Anstellung in der legendären Savile Row bei Ozwald Boateng zu bekommen. Zwei Jahre perfektionierte er in der goldenen Maßschneidermeile sein Handwerk ehe es ihn wieder zurück zu seinen Wurzeln nach Weiden zog. Zwischen Tradition und Innovation führt Andreas Moller sowohl eine Damen- als auch Herrenlinie, die traditionelle Handwerkstechniken mit zeitgemäßem Design verbinden.

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