Designer

Die Männerschauen in Paris und Mailand sind zu Ende. Ob gut oder schlecht – alle Bewertungskriterien waren vertreten. Doch einen gilt es noch einzuholen:

Ein unscheinbarer, blasser Mann, Sohn eines Tunesiers und einer Italienerin wühlt mit seinen glasklaren Vorstellungen von Schönheit und Stil den Blick auf die Herrenmode gehörig auf und schärft ihn zugleich.

Seine Schnitte ließen Dior Homme Höchstumsätze verzeichnen und fanden sogar den Weg in die Szeneviertel der europäischen Metropolen. Selbst Karl Lagerfeld ist ein Fan von ihm.

Die Rede ist von Hedi Slimane.

Nach dem Studium der Kunstgeschichte und der Politikwissenschaft beginnt der 1968 in Paris geborene Slimane eine Lehre bei seinem guten Freund José Lévy. Das Schneiderhandwerk hat er sich schon früh von seiner Mutter abgeschaut, die schließlich ihn und seine Geschwister einkleiden musste.

1996 holt ihn Yves Saint Laurent zu sich, wo Slimane ein Jahr später die Art Direction der Herrenlinie übernimmt. Schon damals zeigen sich seine Vorliebe für wenig Applikation und eine klare Formensprache.

Diese kann er aber erst bei Dior Homme zur Geltung bringen.

Als Chefdesigner setzt er auf kompromisslos schmale Schnitte, die Hosen verkommen zu Röhren, der Hintern scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Klare Linien definieren nach Slimanes Vorstellung die Erscheinung der modernen Männermode.

Um in seine Anzüge zu passen nimmt Karl Lagerfeld vierzig Kilo ab und auch sein guter Freund Pete Doherty findet Gefallen daran. Dessen Einfluss auf die Popkultur macht die Röhrenjeans zu einem Trend, der sich bald in allen möglichen Städten Europas wiederfindet.

In den Jahren bei Dior schafft es Hedi Slimane , sich seinem anderen Steckenpferd, der Fotografiekunst, zu widmen.

In den Jahren 2002 bis 2006 bringt Slimane mehrere Fotobildbände heraus wie zum Beispiel den Band „Berlin“ von 2003, in dem er seinen damaligen Wohnort und seine Inspirationsquelle zugleich darlegt und feiert. Die Formsprache bleibt auch hier die gleiche wie in seinen Modekreationen: Unaufgeregt, filigran, kraftvoll.

Dass sich der Künstler auch in seinen Fotografien auf diesen Grundgedanken verlässt, legt den roten Faden frei, der sich durch sein gesamtes Werk zu ziehen scheint. Purismus in allen Sparten der schönen Künste.

2007 verlässt Slimane schließlich Dior und widmet sich seitdem kleineren Projekten wie einer eigenen Möbelserie, die er im Sommer 2007 in Berlin präsentiert.

Wie schon fast in einem Befehlston scheinen diese Möbelstücke Slimanes grundsätzliche und einzige Stilregel zu tönen:

Hast du deinen Stil gefunden, ändere ihn nie wieder!


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